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Mitarbeitende aus dem Suchtbereich posieren für ein Gruppenfoto.

Festakt im Rahmen der Suchtwoche

Die Stationen 06/6 und 06/7 zur qualifizierten Entgiftung legalen und illegalen Drogen haben aktive und ehemalige Mitarbeiter:innen in den Festsaal des LWL-Klinikums Marsberg zu einer Jubiläumsveranstaltung eingeladen.

Maria Wiggen, stellv. Pflegedienstleitung der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, betont: „Bei diesem Festakt geht es um Dank und Wertschätzung, besonders für die Mitarbeitenden der Suchtstationen.“ Im Laufe der Zeit seien die Anforderungen stetig gestiegen.

Auch, weil Krankheitsbilder immer komplexer werden. „Bei vielen Menschen geht eine Suchterkrankung Hand in Hand mit weiteren seelischen Krankheiten. Wie zum Beispiel Depression, Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen. Insbesondere für das Pflegepersonal sind das tägliche Herausforderungen“, betont Maria Wiggen.

Gruppenfoto mit Mitarbeitenden der Station 06/7: Maria Wiggen, stellv. Pflegedienstleitung des LWL-Klinikums Marsberg, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik überreicht Hermann Emmerich ein Geschenk.

Die Festvorträge

Im Festvortrag „Beziehungspflege in der Suchtbehandlung: Im Spannungsfeld von Kontrolle und Vertrauen“ vertieft Kerstin Albrecht das Thema. Die Referentin hat zehn Jahre auf der Station gearbeitet hat und ist jetzt Pflegerische Leitung in der LWL-Klinik Paderborn, Behandlungszentrum West in Salzkotten.

„Suchtbehandlung ist immer wieder geprägt von Bagatellisieren der Erkrankung, Rückfällen oder Beziehungsabbrüchen“, so die studierte Pflegemanagerin „Das darf man als Pflegekraft nicht persönlich nehmen, weil das einfach Ausdruck der Störung ist.“ Die Qualität der Beziehung zwischen Pflegekraft und Patient:in fuße auf der inneren Haltung, auf dem Problemlösungs- und Beziehungsprozess. „Das Recovery-Konzept zielt darauf ab, dass Betroffene trotz und mit einer Suchterkrankung ein aktives Leben führen können.“

Jede drogenfreie Phase sei unabhängig von der Dauer gut, da sie die gesunden Anteile eines Menschen stärke. „Wir sind keine hilflosen Helfer:innen“, betont Kerstin Albrecht. „In diesem emotional fordernden Beruf bewegen wir uns zwischen Distanz und Nähe, um zielgerichtet zu unterstützen. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist essenziell.“

Hermann Emmerich, Stationsleitung der 06/7, erinnert sich im folgenden Vortrag noch gut an die Anfänge der qualifizierten Entgiftung. „Vor der Eröffnung waren wir in den LWL-Klinken Paderborn, Lippstadt und Warstein.“ Damals habe es noch keine vielfältigen Gruppenangebote gegeben wie heute. „Wassertreten, Frühsport und Spaziergang war Pflichtprogramm“, erinnert er sich. Heute gebe es Angebote wie Aroma-, Sport- oder Klangschalentherapie.

Das LWL-Klinikum Marsberg schaffte als eine der ersten Kliniken überhaupt die Möglichkeit, dass suchtkranke Menschen ihre Kinder mitbringen durften, um als Familie den Entzug zu schaffen. Auch für Paare und Frauen seien Stationspflegekonzepte entstanden. Hermann Emmerich beobachtet auch einen Wandel im Klientel. „Unsere Patient:innen werden jünger. Cannabis und Amphetamine sind auf dem Vormarsch. In den nächsten 25 Jahren wird wieder viel passieren.“